Wahlboykott: Ändert ein Video die Welt?
Wenige Tage später folgte die zweite und endgültige Fassung des Videos: "Geh nicht hin! - Der Film" und klärte das Missverständnis auf: Hier riefen die promineten Protagonisten nun vehement zum Urnengang auf.
Mit der Aufforderung zum Nicht-Wählen habe man lediglich mediale Aufmerksamkeit für das Thema erreichen wollen, so Stefan Gehrke von politik-digital.de, Produzent und Initiator des Videos.
"Aber kann die Aktion der zuletzt so niedrigen Wahlbeteiligung und der steigenden Politikverdrossenheit entgegenwirken?", fragt SPIEGEL-Online in seinem Bericht am vergangenen Dienstag. Friedrich Küppersbusch, Geschäftsführer der Firma, die das Video produziert hat, hofft, einen Diskurs ausgelöst zu haben. Wähler sollten zum Nachdenken angeregt werden und zur Wahl motiviert werden.
Doch die vom SPIEGEL gestellte Frage ist berechtigt. Denn auch ein noch so einfallsreiches Video kann nichts an der Tatsache ändern, dass es für Politikverdrossenheit und niedrige Wahlbeteiligung handfeste Gründe gibt.
So glauben nur noch 41 Prozent aller Bundesbürger, dass sie mit ihrer Stimmabgabe zur Bundestagswahl einen starken Einfluss auf die Richtung der Politik haben, 47 Prozent rechnen mit wenig Einfluss und 11 Prozent sogar mit so gut wie keinem Einfluss. Dies belegte eine von Mehr Demokratie im Juni 2009 in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage.
Dagegen wünschen sich 68 Prozent aller Deutschen die Einführung bundesweiter Volksabstimmungen. Eine direkte Mitbestimmung der Bürgerinnen und Bürger auf Bundesebene könnte dem Gefühl mangelnden Einflusses auf die Richtung der Politik entgegen wirken und so Politikverdrossenheit mindern.
Um den Graben zwischen Wählern und Repräsentanten zu schließen genügt ein Video auf YouTube nicht. Die politische Realität muss sich dazu ändern.

